Dienstag, 24. Februar 2026

Wo erlebe ich das schon, dass wir uns untereinander so radikal ehrlich machen?

Ein Erlebnisbericht zu Wild Life Tantra Training Level I 2026

Es war erst das zweite Mal, dass mein Mann und ich uns in ein Tantra-Einführungsseminar begaben. Dieses Mal hatte ich bei Wild Life Tantra gebucht.

Leicht aufgeregt und etwas nervös durchquerten wir den Innenhof, um zum Gebäude zu kommen. Wir waren spät dran. Ein etwas rumpeliger Fahrstuhl beförderte uns in diesem ehemaligen Fabrikgebäude nach oben zum eigentlichen Ort des Geschehens. Eine Frau öffnete und bat uns, das Gepäck hinter einer Seitenabtrennung abzulegen. Hastig zogen wir dort die dicken Winterklamotten aus und wechselten in leichte, bequeme Kleidung.

Mit unserem Kommen war die Gruppe vollzählig und die Seminarleitung startete. Vorsichtig spähte ich in die Runde. Ich fragte mich: Wer sind diese anderen Menschen, mit denen ich die nächsten drei Tage in dieser Räumlichkeit verbringen wollte?

Wir stellten uns in der Runde einzeln vor und anschließend wurde Organisatorisches besprochen, wie z. B. die Einteilung in „Tempeldienste“, zu denen neben dem täglichen Tischdienst auch die Reinigung des Seminarraumes oder der Toiletten gehörte. Innerlich musste ich über mich selbst schmunzeln. Wie blöd bin ich eigentlich, so weit zu reisen und ’ne Menge Geld für dieses Seminar auszugeben, um am Ende in Berlin-Kreuzberg Klos zu putzen.

Die anschließende Körpermeditationsübung überzeugte mich aber, dass ich richtig gewählt hatte. Aber sah mein Mann das auch so? Immerhin hatte ich ihn überredet, mitzukommen und sich dem Ganzen auszusetzen. Ein Wellnesswochenende würde das jedenfalls nicht werden.

An meine persönliche Grenze kam ich dann auch am zweiten Abend, und prompt sind auch meine alten Bewertungsmuster gleich wieder angesprungen: Nur mit einem leichten Tuch bekleidet, betraten wir den Raum. Das Licht war gedimmt und es war sehr warm. An dem einen Ende des Raumes standen wir Frauen in einer Gruppe eng umschlungen zusammen. Wir alle waren leicht nervös. Ich linste vorsichtig durch den Raum. Wie Raubtiere, so kam es mir in dem Moment vor, saßen die Männer einzeln verteilt auf der anderen Seite des Raumes. Mich schauerte, und ich dachte nur: Ich bin kein Fleisch.

Sinnliche Musik ertönte und langsam, ganz langsam tasteten wir Frauen uns tanzend in die Mitte des Raumes. Ich tanzte nur für mich alleine. Plötzlich spürte ich Berührungen an meinem Körper. Zwei Männer mit erigiertem Penis kamen mir dabei immer näher und ich wurde zunehmend unsicherer. Neben mir auf der Matte lagen plötzlich schon Pärchen, die sich gefunden hatten. Ich wollte das nicht. Mir ging das zu schnell. Ich wollte Zartheit und Langsamkeit. Dieses übliche schnelle Rein-Raus hatte ich so satt.

Mit den im Vorfeld mit der Seminarleitung eingeübten Signalen ging ich dann aus der Situation raus. Alles war okay. Ich war safe. Dafür war ich hier. Ich wollte an meine Grenze kommen, sie erkennen können und lernen, für mich selbst einzustehen, auch wenn es erst einmal eine unangenehme Erfahrung ist, so ist doch hilfreich, um zu lernen und zu wachsen.

Eine richtige Herzöffnung erlebte ich dann gegen Ende des Seminars. Durch vielerlei Übungen und wirklich tiefe Gespräche hatten wir uns in der Gruppe gegenseitig immer stärker kennengelernt. Wo erlebe ich das schon in der „normalen“ Welt, dass wir uns untereinander so radikal ehrlich machen? Selbst engsten Freundinnen gebe ich selten so viel Persönliches preis. Hier in dieser Gruppe war das absolut normal und nach drei Tagen war ich unheimlich vertraut mit den anderen Teilnehmenden.

Kurz vor der abschließenden Gesprächsrunde am Sonntag ging ich nochmals komplett in meinen Körper und tanzte sehr sinnlich zu einem romantischen Song. Plötzlich näherte sich mir einer der Männer und wir spielten beide tanzend zur Musik. Es war herrlich und es wurde heiß. Ich fand es toll, wie er um mich herumschlich, mich vorsichtig umarmte, wir uns aneinander rieben und uns langsam, schlängelnd anheizten. Jetzt hätte ich eigentlich die Matte und das gedimmte Licht gebraucht.

Auf der Autofahrt nach Hause reflektierten mein Mann und ich die Erlebnisse des Seminars. Er gestand mir seine plötzlich aufgekommene Eifersucht und seinen Egoismus wegen meines Tanzes mit dem anderen Mann am letzten Tag. Er war auch an seine persönliche Grenze gekommen und es war okay für uns beide.

Silvia S. aus Rostock

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